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Die Fahne steht auf dem Kopf und wird ein wenig weiblicher

Künstlerin Irene Heimisch (l.) und Museumsleiterin Bettina Greffrath bei der symbolischen Übergabe.
Künstlerin Irene Heimisch (l.) und Museumsleiterin Bettina Greffrath bei der symbolischen Übergabe.

Kunstwerk in Hoffmann-von-Fallersleben-Ausstellung

FALLERSLEBEN (of). Die Dauerausstellung im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum ist um ein Exponat reicher. Die Künstlerin Irene Heimsch stellt ihr Kunstwerk als Leihgabe der Museum und den Besuchern zur Verfügung.

Das Werk trägt den Titel „Gold-Rot-Schwarz: Die Fahne auf den Kopf gestellt“ und ist in einem sogenannten Objekt- Setzkasten zu sehen.

Eine schwarze, ein rote und eine goldene Frauenpuppe liegen auf schwarzem Hintergrund: Die deutsche Fahne feminin besetzt. „1991 fing ich erstmals an mich mit dem Thema auseinanderzusetzen“, blickt Irene Heimsch zurück. „Ich empfand Fahnen immer als martialisch und hatte damit meine Probleme“. Fahnen assoziierte sie mit Krieg, bei Aufmärschen unter Fahnen werde das eigene Schrittmaß aufgegeben und der Soldat hatte sich unterzurordnen. „Fahnen sind historisch Männersache.“

Ganz deutlich fehlte der Künstlerin das weibliche Element, was sie u.a. mit den drei Frauen-Puppen zum Ausruck bringen wollte. „Die Fahne ist außerdem auf den Kopf gestellt, weil mir das Schwarz oben zu schwer war, ich nahm das Goldene, das Licht, nach oben und das Schwarze und Bedrückende nach unten“, erläutert die Künstlerin.

Letztlich geht es Irene Heimsch um Gleichberechtigung. Denn im 19. Jahrhundert, als die Farben der heutigen deutschen Flagge ihre geschichtliche Bedeutung erlangten, war Emanzipation noch lange nicht in Sicht.

„Mit dem Setzkasten möchte die Ausstellung die Besucher dazu animieren, über die heutige Bedeutung der Werte ,Einigkeit und Recht und Freiheit‘ aus dem Text der deutschen Nationalhymne nachzudenken“, so Museumsleiterin Bettina Greffrath. Neben der Fahne finden sich noch Ausgaben der Verfassung der DDR und BRD in den Schaukästen, ebenso wie ein großes (Ost) und ein kleines (West) Sandmännchen. Berliner Mauerreste und eine Ausgabe „Neues Deutschland“ zu 25 Jahren DDR geben ebenso einen Blick auf die Geschichte wie Fanartikel zur Fußball-Weltmeisterschaft und Pink Floyd´s Lyrics zu „Another Brick in the wall.“ Damit der Besucher sich einen weiteren Zugang zu der geschichtsträchtigen Ausstellung verschaffen kann „haben wir eine Mappe zusammengestellt, die den Kontext der Objekte erläutert“, so Museumspädagogin Nicole Trnka.

„In diesem Raum gibt es am Ende des Rundgangs durch die Ausstellung immer Debatten unter den Besuchern“, so Greffrath. Das wollten die Kuratoren auch erreichen: Gespräche über deutsche Identität, Machtverhältnisse und Geschlechtergerechtigkeit.

„Das Werk von Irene Heimsch ist eine schöne und ideale Bereicherung der Dauerausstellung“, so die Museumsleiterin.