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Geschichtliche „Tiefenbohrung“ gegen einen neuen Antisemitismus

Wolfsburgs OB Klaus Mohrs, William H. Weitzer vom Leo Baeck Institute, Jörg Munzel und Alexander von Kienlin vom Israel Jacobson Netzwerk und Wolfsburgs Kulturdezernent Dennis Weilmann (von links) bei der Ausstellungseröffnung.
Wolfsburgs OB Klaus Mohrs, William H. Weitzer vom Leo Baeck Institute, Jörg Munzel und Alexander von Kienlin vom Israel Jacobson Netzwerk und Wolfsburgs Kulturdezernent Dennis Weilmann (von links) bei der Ausstellungseröffnung.

Ausstellung: „1938Projekt: Posts from the Past“

WOLFSBURG (ph). Mit einem Online-Projekt und einer Wanderausstellung blickt das Leo Baeck Institut auf die Judenverfolgung im Jahr 1938 zurück. Die Wanderausstellung wird noch bis zum 26. April im Aalto-Kulturhaus gezeigt.

„In Zeiten von einem neuen Antisemitismus braucht man eine Tiefenbohrung in die Geschichte“, erklärte Jörg Munzel, Vorstandsmitglied des Israel Jacobson Netzwerk für jüdische Kultur und Geschichte, anlässlich der Eröffnung der Wanderausstellung „1938Projekt: Posts from the Past“ im Alvar-Aalto- Kulturhaus.

Die Wanderausstellung wurde aus einem Online-Projekt des „Leo Baeck Instituts“ entwickelt. Wer sich über die Sozialen Netzwerke – wie Twitter, Facebook oder Instagram – mit dem Projekt verbindet, erhält täglich die Möglichkeit ein Ereignis im Leben von Juden vor 80 Jahren zu erfahren. 365 Geschichten zeichnen so die Verfolgung und Bedrohung deutscher Juden im NSDeutschland des Jahres 1938 nach – eines besonders dramatischen Jahres, wie Munzel betont.

1938 erfolgte der „Anschluss Österreichs“ durch Nazideutschland und 1938 ist auch das Gründungsjahr der „Stadt des KdF-Wagens“, heute Wolfsburg, das eine nationalsozialistische Musterstadt ohne Kirchen werden sollte. Aber es gebe noch weitere Gründe, warum die Wanderausstellung „1938 Projekt: Posts from the Past“ mit zwölf beispielhaften „Kalenderauszügen“ in Wolfsburg – danach in Braunschweig und Salzgitter – zu Gast ist: Die Region sei ein „Ursprungsland der jüdischen Modernisierer“, so Munzel. Daher seien die Nazis „doppelt erfolgreich gewesen“, so Munzel und verweist auf die Verfolgung und Ermordung von Millionen von Juden sowie die Ausmerzung „der Leistungen unserer jüdischen Aufklärer“.

Wolfsburg habe mit der Ausstellung „Courage gezeigt“, so Munzel und ergänzt, dass das Gedächtnis der jüdischen Gemeinschaft mit der Ausstellung „ein neues Kapitel“ aufschlage. Wolfsburgs Oberbürgermeister erklärte, dass die Ausstellung in Wolfsburg eine Selbstverständlichkeit sei: „Diese Stadt hat eine Geschichte und daraus ergibt sich eine Aufgabe.“ Wolfsburg sei mit über 140 Nationen eine sehr weltoffene Stadt geworden – „und damit genau das Gegenteil“ von dem, was von den Nationalsozialisten geplan worden war.

Die Wanderausstellung zeigt ganz persönliche Beispiele von den Repressionen, denen Juden in Deutschland im Jahr 1938 ausgesetzt waren und viele Fluchtgeschichten. Auch Bilder von einer Purim-Feier im jüdischen Kinderheim in Berlin gehören dazu. Bei der Betrachtung der lachenden Gesichter drängt sich dem Betrachter auch die Frage auf, wie viele der gezeigten Kinder die folgenden Jahre des Holocausts überlebt haben.

Auch wenn in der Ausstellung zwölf Tage des ganzen Jahres 1938 abgebildet werden, das Internetprojekt zeigt immer nur das Ereignis des aktuellen Datums vor 80 Jahren. Den Grund dafür erläuterte William H. Weitzer, Executive Director des Leo Baeck Instituts, bei der Ausstellungseröffnung: „Damals wusste auch niemand, was als nächstes passiert.“
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