Wolfsburg

„Wir können zeigen, dass wir aus der Vergangenheit lernen“

OB Klaus Mohrs legte gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und dem Verein „Erinnerung und Zukunft“ Blumenkränze an der Gedenkstätte an der Werderstraße nieder.
OB Klaus Mohrs legte gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und dem Verein „Erinnerung und Zukunft“ Blumenkränze an der Gedenkstätte an der Werderstraße nieder.

Stadt Wolfsburg gedachte der Opfer des Holocaust

WOLFSBURG (nd). Am letzten Sonntag wurden anlässlich des internationalen Tags des Gedenkens an die Opfer des Holocaust deutschlandweit Gedenkfeiern abgehalten. Auch in Wolfsburg wurden Blumenkränze niedergelegt.

Gleich an drei Gedenkorten in Wolfsburg legte Oberbürgermeister Klaus Mohrs in stillen Zeremonien Blumenkränze nieder: An der Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft an der Werderstraße, am Mahnmal am Sara-Frenkel-Platz und an der Stele in der Breslauer Straße.

Stefan Loth und Ulf Günther (vorne v. l.).                Foto: Volkswagen
Stefan Loth und Ulf Günther (vorne v. l.).                Foto: Volkswagen
Darüber hinaus begleiteteten die Schüler der Heinrich-Nordhoff-Gesamtschule unter der Leitung von Carlos Merinero das stille Gedenken an der Werderstraße mit Vorträgen. Die Zehntklässler erläuterten, dass die Soldaten der Roten Armee am 27. Januar 1945 die Insassen des Konzentrationslagers in Auschwitz-Birkenau befreiten und der Tag seit 1996 ein bundesweit gesetzlich verankerter Gedenktag ist. Nicht nur Auschwitz, sondern „auch Wolfsburg hat eine schreckliche Vergangenheit“, berichteten die Schüler. „Wir können heute zeigen, dass wir aus der Vergangenheit lernen.“ Außerdem sei es dafür notwendig, „sich die Gräueltaten des Nationalsozialismus wieder in Erinnerung zu rufen.“ Gerade das letzte Jahr habe gezeigt, dass der freiheitlich-demokratische Grundsatz nicht selbstverständlich ist. Für eine Aufrechterhaltung müsse ständig gekämpft werden. Damit spielten die Schüler auf die Demonstration tausender Rechtsextremer in Chemnitz letztes Jahr an. Daher bestehe Handlungsbedarf – nicht nur von der Politik, sondern auch von den Bürgern. OB Klaus Mohrs bedankte sich für den Beitrag und stimmte zu: „Wir müssen unserer Verantwortung gerecht werden und gemeinsam für die Demokratie kämpfen.“

Auch auf dem Gelände des VW-Stammwerks wurde eine Gedenkfeier veranstaltet: „Stellvertretend für Unternehmensleitung, Mitarbeiter sowie Arbeitnehmervertretung legten Werkleiter Stefan Loth und Ulf Günther, Vertreter des Betriebsrates sowie eine Delegation der IG Metall Vertrauenskörperleitung Wolfsburg Kränze am Gedenkstein für die Zwangsarbeiter nieder“, so die VW-Pressemitteilung.

Anschließend wurde der Film „Bei uns nichts Neues“ von Autor Shimon Lev und Regisseurin Astrid Vehstedt gezeigt. In dem Film von 2014 lesen heutige Bewohner des Hauses in der Berliner Thomasiusstraße 11 aus Briefen und Postkarten der jüdischen Familie Löw vor, die zwischen 1940 und 1943 von dort aus an den Sohn Willy gingen. Danach durften die rund 100 Teilnehmer mit den Künstlern ins Gespräch kommen.